Ein schwenkbarer Tonarm kann die Tangente der Plattenrille nur an wenigen Punkten exakt treffen. Überhang und Kröpfungswinkel werden deshalb so gewählt, dass der Spurfehlwinkel über die gesamte Platte möglichst sinnvoll verteilt wird. Baerwald, Löfgren und Stevenson sind unterschiedliche Optimierungen dieses geometrischen Kompromisses.
Ratgeber
Baerwald, Löfgren und Stevenson: Justagegeometrien am Tonabnehmer verstehen

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Warum gibt es überhaupt mehrere Geometrien?
Bei einem klassischen Drehtonarm beschreibt die Nadel einen Kreisbogen. Die Schneidmaschine führt den Schneidstichel dagegen näherungsweise tangential. Ein schwenkbarer Tonarm kann diese Tangentialität nur an zwei sogenannten Nullpunkten exakt erreichen. Dazwischen und außerhalb bleibt ein kleiner Spurfehlwinkel.

Baerwald und Löfgren A
Baerwald wird im Alltag häufig praktisch gleichbedeutend mit Löfgren A verwendet. Ziel ist eine sehr ausgewogene Verteilung der mittleren Abtastverzerrungen über den genutzten Rillenbereich. Viele universelle Zweipunkt-Schablonen orientieren sich an dieser Geometrie.

Löfgren B
Löfgren B optimiert stärker auf niedrige mittlere Verzerrungen im Hauptteil der Platte. Dafür können die Verzerrungen ganz am inneren Ende stärker ansteigen. Diese Geometrie kann sinnvoll sein, wenn die abgespielten Platten selten sehr weit nach innen geschnitten sind.
Stevenson
Stevenson verschiebt einen Nullpunkt näher an den inneren Rillenbereich. Das kann die Abtastgeometrie am Ende der Platte begünstigen. Deshalb wird Stevenson oft bei Anwendungen diskutiert, bei denen möglichst gute Verhältnisse nahe der Auslaufrille gewünscht sind.
Welche Geometrie ist „richtig“?
Entscheidend ist zuerst, ob dein Tonarm beziehungsweise Hersteller eine bestimmte Geometrie vorgibt. Bei Armen mit fest definiertem Überhang, Headshell-Lehre oder herstellerspezifischer Schablone solltest du nicht ohne Grund auf eine andere Geometrie wechseln. Sonst kann zwar ein Teil des Plattenbereichs rechnerisch optimiert werden, während der Arm außerhalb seiner vorgesehenen Geometrie arbeitet.
Nullpunkte hängen vom angenommenen Rillenbereich ab
Berechnungen setzen einen inneren und äußeren Rillenradius voraus. Unterschiedliche Normen und Schablonen können deshalb leicht unterschiedliche Nullpunkte ergeben. Zwei „Baerwald“-Schablonen müssen nicht zwangsläufig auf den Zehntelmillimeter identisch aussehen, wenn sie mit verschiedenen Annahmen erstellt wurden.
So gehst du praktisch vor
- Prüfe zuerst die Herstellerangaben für Tonarm und Überhang.
- Verwende eine zur effektiven Tonarmlänge passende Schablone.
- Stelle Überhang und Kröpfung iterativ ein – beide beeinflussen sich.
- Kontrolliere, dass das System an beiden Nullpunkten parallel zu den Rasterlinien steht.
- Ziehe die Schrauben gleichmäßig an und prüfe danach erneut.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du unter Tonabnehmer mit Justageschablone einstellen.
Mehr Geometrie löst keine anderen Probleme
Wenn die Nadel verschlissen ist, die Auflagekraft falsch eingestellt wurde oder der Tonabnehmer nicht zum Tonarm passt, bringt ein Wechsel von Baerwald zu Stevenson keine Wunderheilung. Geometrische Feinoptimierung lohnt sich erst, wenn die mechanischen Grundlagen stimmen.
Fazit
Baerwald/Löfgren A ist ein sehr guter universeller Ausgangspunkt, Löfgren B verschiebt die Optimierung stärker in den mittleren Plattenbereich und Stevenson berücksichtigt die Innenrille stärker. Die wichtigste Regel lautet trotzdem: Herstellergeometrie respektieren und sauber justieren. Eine präzise ausgeführte Standardgeometrie ist sinnvoller als eine theoretisch raffinierte, aber ungenau eingestellte Alternative.



