HDMI 2.2 verdoppelt die maximale Bandbreite gegenüber 48-Gbit/s-Verbindungen auf bis zu 96 Gbit/s und führt dafür die Bezeichnung Ultra96 ein. Für reine Audio-Anlagen ist diese Bandbreite selten der entscheidende Punkt. Interessanter kann das neue Latency Indication Protocol werden.
News
HDMI 2.2 im Audio-Setup: Ultra96 ist nicht der wichtigste Punkt – LIP kann spannender sein

Inhalt & Sprungmarken
Was Ultra96 tatsächlich bedeutet
„Ultra96“ kennzeichnet Geräte, die nach HDMI 2.2 maximale Bandbreiten von 64, 80 oder 96 Gbit/s unterstützen können. Für Konfigurationen oberhalb von 48 Gbit/s ist ein passendes Ultra96-HDMI-Kabel vorgesehen. Bestehende Ultra-High-Speed-HDMI-Kabel bleiben für Systeme bis 48 Gbit/s relevant.
Die zusätzliche Bandbreite zielt vor allem auf höhere Auflösungen, Bildraten, Farbtiefen und zukünftige Videoanwendungen. Für einen Plattenspieler oder normalen Stereo-Streamer spielt das naturgemäß keine Rolle.
LIP: interessanter für Soundbar und AV-Receiver
Das Latency Indication Protocol, kurz LIP, soll angeschlossenen Geräten ermöglichen, ihre Latenzinformationen auszutauschen. Ziel ist eine bessere Synchronisation von Bild und Ton – besonders in Ketten mit mehreren Geräten wie Fernseher, AV-Receiver, Soundbar oder externe Zuspieler.
Lip-Sync-Probleme entstehen häufig nicht durch eine einzelne Komponente, sondern durch unterschiedliche Video- und Audioverarbeitung in mehreren Geräten. Wenn LIP breit umgesetzt wird, kann die Anlage diese Verzögerungen systematischer berücksichtigen.

eARC bleibt wichtig
HDMI 2.2 führt eARC nicht neu ein, sondern setzt es fort. eARC kann hochbitratige Mehrkanalformate und unkomprimiertes Mehrkanal-Audio übertragen und bleibt damit die relevante Rückkanal-Schnittstelle zwischen Fernseher und Soundbar beziehungsweise AV-Receiver.
Wer nur Stereo-PCM vom Fernseher ausgeben möchte, braucht deshalb nicht automatisch HDMI 2.2. Unser Vergleich HDMI ARC, eARC oder optisch? zeigt, wann die jeweiligen Wege sinnvoll sind.
Muss man jetzt alle Kabel tauschen?
Nein. Ein neues Ultra96-Kabel ist nur dann nötig, wenn die konkrete Gerätekette die höhere Bandbreite tatsächlich nutzt. Für viele heutige 4K-Systeme und praktisch alle klassischen Audioanwendungen reichen bestehende zertifizierte Kabel weiterhin aus. Entscheidend ist der konkrete Signalmodus, nicht allein die Versionsnummer auf einem Datenblatt.
Fazit
HDMI 2.2 ist vor allem ein großer Videosprung. Aus Audiosicht ist LIP die spannendere Neuerung, weil es reale Synchronisationsprobleme in komplexen TV-/AV-Ketten adressiert. eARC bleibt dabei die zentrale Audio-Rückkanaltechnik. Für Käufer gilt deshalb: nicht wegen „2.2“ oder „96 Gbit/s“ reflexartig neue Kabel anschaffen, sondern den tatsächlichen Aufbau prüfen.
Quellen: HDMI Licensing Administrator: HDMI 2.2; HDMI: Ultra96; HDMI: eARC.



