Vinyl und CD liegen im deutschen physischen Musikmarkt so dicht beieinander wie seit Jahrzehnten nicht. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs Vinyl laut Bundesverband Musikindustrie um 9,8 Prozent und kam auf 47,8 Prozent des physischen Segments. Die CD legte im selben Zeitraum nur leicht um 0,8 Prozent zu. Trotzdem wäre es zu früh, aus diesen Halbjahreswerten bereits einen endgültigen Formatwechsel abzuleiten.
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Vinyl vs. CD 2026: Wie knapp ist das Rennen im deutschen Musikmarkt?

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Wo Vinyl und CD Ende 2025 standen
Für das Gesamtjahr 2025 weist der BVMI 178 Millionen Euro Handelsumsatz mit CDs und 152 Millionen Euro mit Vinyl-LPs aus. Damit lag die CD noch vorn, der Abstand betrug aber nur 26 Millionen Euro. Zehn Jahre zuvor war die Situation noch völlig anders: 2016 wurden mit CDs 860 Millionen Euro und mit Vinyl rund 70 Millionen Euro umgesetzt.
Die Schallplatte hat ihren Rückstand also über Jahre kontinuierlich verkleinert. 2025 entfielen 44,2 Prozent des physischen Musikmarkts auf Vinyl. Zur Jahresmitte 2026 waren es bereits 47,8 Prozent.
Das erste Halbjahr 2026 verändert die Dynamik
Der physische Musikmarkt wuchs im ersten Halbjahr 2026 insgesamt um 5,3 Prozent. Innerhalb dieses Segments entwickelte sich Vinyl mit plus 9,8 Prozent deutlich stärker als die CD mit plus 0,8 Prozent. Das spricht dafür, dass sich die Umsatzanteile weiter annähern.
Wichtig ist aber die Einschränkung: Der BVMI-Halbjahresreport nennt für Vinyl den Anteil am physischen Markt, veröffentlicht dort jedoch keine vollständige Jahresabrechnung für beide Formate. Ob Vinyl die CD im Gesamtjahr 2026 tatsächlich überholt, lässt sich aus einem Halbjahreswert allein nicht seriös ableiten.

Warum das Rennen kleiner ist als es klingt
CD und Vinyl konkurrieren nur innerhalb eines Marktsegments, das insgesamt viel kleiner ist als Streaming. Zur Jahresmitte 2026 entfielen 84,4 Prozent der deutschen Brancheneinnahmen auf Streaming. Physische Formate kamen zusammen auf 13,6 Prozent, Downloads ergänzten das digitale Geschäft nur noch in kleinem Umfang.
Die Frage „Vinyl oder CD?“ ist deshalb vor allem für den physischen Musikmarkt relevant. Für den gesamten Musikkonsum bleibt Streaming mit großem Abstand das dominante Geschäftsmodell.
Die Formate erfüllen zunehmend unterschiedliche Rollen
Eine CD bleibt ein unkompliziertes physisches Digitalformat: einlegen, abspielen, vergleichsweise kompakt archivieren. Vinyl wird dagegen stärker als physisches Premium- und Sammlerprodukt gekauft. Covergröße, Varianten, Sondereditionen und das bewusste Auflegen gehören für viele Käufer zum Produkt.
Dass beide Formate parallel existieren, ist deshalb plausibel. Wer im Alltag streamt, kann trotzdem ausgewählte Alben auf Vinyl kaufen. Andere Hörer bevorzugen die CD wegen Preis, Bedienung oder vorhandener Sammlung.
Was der Trend für HiFi-Käufer bedeutet
Für Vinyl-Liebhaber ist nicht entscheidend, welches Format eine Marktstatistik „gewinnt“. Interessanter ist, dass ein großer physischer Vinyl-Markt Ersatznadeln, Tonabnehmer, Phono-Vorverstärker und neue Plattenspieler wirtschaftlich attraktiv hält. Das verbessert langfristig die Auswahl an Geräten und Verbrauchsteilen.
Den aktuellen Halbjahresreport haben wir bereits im Beitrag Vinyl wächst 2026 um 9,8 Prozent eingeordnet.
Fazit
Die CD lag 2025 in Deutschland noch vor Vinyl. Das starke Vinyl-Wachstum im ersten Halbjahr 2026 hat den Abstand innerhalb des physischen Markts aber weiter verkleinert. Ob es 2026 tatsächlich zum Überholen kommt, sollte erst mit vollständigen Jahreszahlen beantwortet werden. Sicher ist schon jetzt: Vinyl ist im deutschen physischen Musikmarkt kein Nischenformat mehr.
Quellen: BVMI Halbjahresreport 2026; BVMI Musikindustrie in Zahlen 2025.



